Der Rechnungsempfänger und der Warenempfänger sind im B2B-Geschäft oft nicht dieselbe Adresse. Die Zentrale bestellt, geliefert wird ans Werk. Der Händler kauft, die Ware geht direkt auf die Baustelle oder an den Endkunden. Im Demomandanten der Sage 100 gibt es dafür ein schönes Beispiel: Der Kunde VW Wolfsburg bestellt zentral, die Lieferungen gehen an die Werke Braunschweig oder Kassel.
Die Sage 100 bildet solche Konstellationen über abweichende Lieferadressen ab. In diesem Beitrag zeige ich Dir, wie Du sie anlegst, im Beleg auswählst, als Standard setzt und wo sie im Belegdruck landen. Und worauf Du achten solltest, wenn die Lieferung steuerlich anders zu behandeln ist als die Rechnung.
Lieferadressen im Kundenstamm anlegen
Der sauberste Weg führt über die Stammdaten. Du öffnest den Kunden und wählst im Burger-Menü die Option Lieferadressen.

Es öffnet sich die Übersicht der Lieferanschriften des Kunden. Bei VW Wolfsburg (Kundennummer D200006) sind im Demomandanten bereits zwei hinterlegt: das Werk Braunschweig und das Werk Kassel. Beide gehören zum selben Kontokorrent, die Rechnung läuft immer über Wolfsburg. Über Neu kommen weitere Lieferanschriften dazu.

Bei der Neuanlage hast Du zwei Möglichkeiten: Entweder legst Du eine komplett neue Adresse an, mit Matchcode, Adressdaten und Kommunikationsdaten. Oder Du verweist auf eine Adresse, die im Adressenstamm bereits existiert. Der Verweis ist praktisch, wenn der Warenempfänger ohnehin schon im System steht, etwa als eigener Kunde oder als Interessent.
Falls es schnell gehen muss: Dieselbe Anlage funktioniert auch mitten in der Belegerfassung. Nach der Kundenauswahl findest Du im Menü hinter dem Kundenfeld den Punkt Abweichende Lieferanschriften, die Maske dahinter ist identisch mit der im Kundenstamm.

Die Lieferadresse im Verkaufsbeleg auswählen
In der Belegerfassung wählst Du im Bereich der Lieferadresse aus den hinterlegten Adressen des Kunden. Bei VW Wolfsburg stehen dort also Braunschweig und Kassel zur Auswahl.

Gut zu wissen: Du kannst die Adressfelder im Beleg auch einfach überschreiben. Eine so eingegebene Adresse gilt dann aber nur für diesen einen Beleg und wird nicht in den Stammdaten gespeichert. Für einmalige Lieferungen ist das völlig in Ordnung. Sobald eine Adresse wiederkommt, lohnt sich die Anlage als Lieferadresse.
Eine Standardlieferanschrift festlegen
Wenn ein Kunde fast immer an dieselbe abweichende Adresse beliefert wird, musst Du sie nicht bei jedem Beleg neu auswählen. In der Lieferadresse gibt es im Register Sonstiges die Option Standardlieferanschrift. Steht sie auf Ja, zieht die Belegerfassung diese Adresse automatisch, sobald der Kunde ausgewählt wird.

Wenn die Lieferung steuerlich woanders hingeht
Interessant wird es, wenn Rechnungs- und Lieferadresse in unterschiedlichen Steuergebieten liegen. Auch dafür gibt es im Demomandanten ein Beispiel: Die Fischer GmbH aus Hamburg hat als Lieferadresse das Alfa-Systemhaus in Wien hinterlegt. Die Rechnung geht ins Inland, die Ware in die EU.
Für solche Fälle kennt die Sage 100 die Besteuerung nach Lieferadresse. Voraussetzung: Die abweichende Lieferadresse muss selbst als Kunde angelegt sein, denn nur am Kontokorrent hängen die steuerlichen Stammdaten wie die Besteuerungsart. Im Demomandanten ist das sauber gelöst, das Alfa-Systemhaus existiert als eigener Kunde mit EU-Besteuerung.
Wichtig: Die Funktion sorgt nur dafür, dass die Steuerermittlung technisch der Lieferadresse folgt. Ob ein konkreter Geschäftsfall tatsächlich nach der Lieferadresse zu besteuern ist, etwa bei Reihengeschäften, ist eine steuerliche Frage. Die klärst Du mit Deiner Steuerberatung, bevor Du die Einstellung produktiv nutzt.
So erscheint die Lieferadresse im Belegdruck
Im Ausdruck behandeln die Belegarten die abweichende Lieferanschrift unterschiedlich, und das ist auch sinnvoll: Bei Angebot, Auftragsbestätigung, Rechnung und Gutschrift bleibt der Rechnungsempfänger die Hauptanschrift, die Lieferanschrift wird zusätzlich angedruckt. Beim Lieferschein und Rücklieferschein ist es umgekehrt, dort steht die Lieferadresse im Anschriftenfeld, schließlich fährt der Paketdienst nicht zur Buchhaltung.


Den Überblick behalten: Der Verwendungsnachweis
Eine Lieferadresse wird in der Sage 100 als ganz normale Adresse gespeichert, allerdings ohne eigenes Kontokorrent und ohne Belege in der Sammelmappe. Wenn Du später wissen willst, zu welchem Kunden eine Adresse als Lieferanschrift gehört, hilft der Verwendungsnachweis: Du öffnest die Adresse und wählst im Burger-Menü Extras und dort Verwendungsnachweis. Die Auskunft zeigt, an welchen Kontokorrenten die Adresse als Lieferanschrift hängt.

Fazit
Abweichende Lieferadressen sind in der Sage 100 schnell angelegt, egal ob im Kundenstamm oder direkt aus der Belegerfassung heraus. Wer wiederkehrende Warenempfänger als Lieferadresse pflegt statt sie jedes Mal von Hand in den Beleg zu tippen, bekommt saubere Belege, eine verlässliche Standardvorbelegung und über den Verwendungsnachweis jederzeit den Überblick. Und bei Lieferungen über Steuergrenzen hinweg sorgt die Besteuerung nach Lieferadresse dafür, dass die Steuerermittlung zur tatsächlichen Warenbewegung passt.
Du möchtest Deine Verkaufsprozesse in der Sage 100 aufräumen oder hast Spezialfälle wie Streckengeschäft und Reihengeschäfte abzubilden? Dann lass uns darüber sprechen.