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Der mittlere Einkaufspreis in der Sage 100: Berechnung, Stolperfallen, Korrektur

Der mittlere Einkaufspreis in der Sage 100: Berechnung, Stolperfallen, Korrektur

Ein Verkaufsbeleg zeigt einen Roherlös, der nicht stimmen kann. Der Blick in den Artikelstamm liefert die Erklärung: Der mittlere Einkaufspreis liegt weit neben dem, was der Artikel tatsächlich kostet. Irgendwann hat jemand beim Wareneingang den Palettenpreis als Stückpreis erfasst, oder ein Lagerzugang wurde ohne Gesamtpreis gebucht. Der naheliegende Griff ist schnell gemacht: Feld überschreiben, speichern, fertig.

Zwei Wochen später kommt der nächste Wareneingang, und der alte Wert ist wieder da. Nicht exakt derselbe, aber nah dran. Genau an dieser Stelle setzen die meisten Supportanfragen zum MEK an. Dieser Beitrag erklärt, wie die Sage 100 den mittleren Einkaufspreis rechnet, warum das Feld im Artikelstamm nur ein Ergebnis anzeigt und nicht die Eingabe dafür ist, und wie Du einen falschen Wert so korrigierst, dass er auch nach dem nächsten Zugang noch stimmt.

Drei Einkaufspreise, eine Entscheidung

Die Sage 100 führt je Artikel drei Einkaufspreise nebeneinander. Sie stehen in derselben Maske, werden aber völlig unterschiedlich befüllt:

Welcher der drei Preise in die Roherlösermittlung der Verkaufsbelege einfließt, legst Du in den Mandanteneinstellungen der Warenwirtschaft fest, im Register Verkaufsbelege. Der Demomandant Mustermann & Söhne steht zum Beispiel auf dem kalkulatorischen EK, viele Kundeninstallationen auf dem mittleren. Beim Anlegen einer Verkaufsposition liest die Sage den gewählten Preis aus dem Artikelstamm und friert ihn auf der Position ein. Sage selbst gibt zwei Einschränkungen mit: Über den LEK sollte der Roherlös nicht ermittelt werden, und bei Artikeln ohne Lagerführung funktioniert der MEK nicht, weil ohne Bestand nichts zu mitteln ist. Für solche Artikel bleibt nur der KEK.

Mandanteneinstellungen der Sage 100, Register Verkaufsbelege, mit dem hervorgehobenen Feld Roherlösberechnung auf der Einstellung Über kalkulatorischen EK
Register Verkaufsbelege: Hier legst Du fest, welcher der drei Einkaufspreise in den Roherlös eingeht. Der Demomandant steht auf dem kalkulatorischen EK

Warum dieser Preis betriebswirtschaftlich zählt

Der Einkaufspreis im Artikelstamm wirkt unscheinbar, er steuert aber mehrere Zahlen, an denen im Unternehmen Entscheidungen hängen:

  • Roherlös je Position. Verkaufspreis minus eingefrorener Einkaufspreis mal Menge. Das ist der Deckungsbeitrag, den der Vertrieb im Beleg sieht, bevor er einen Rabatt gibt. Ein zu niedriger MEK macht jeden Auftrag schöner, als er ist.
  • Provisionen. Wer Provisionen vom Roherlös rechnet, bezahlt seine Außendienstler auf Basis dieses Felds. Wird der Roherlös bei positivem Umsatz negativ, setzt die Sage die Provision auf null.
  • Wareneinsatz in der Finanzbuchhaltung. Bei der Übergabe einer Verkaufsrechnung ist der Wareneinsatz der eingefrorene Positionspreis mal Menge. Mit erweiterter Lagerlizenz gehen dazu Wareneinsatz- und Warenbestandskonto aus dem Artikelstamm mit.
  • Lagerbewertung und Inventur. Der Lagerwert ist Menge mal gewähltem Preis mal Bewertungssatz. Als Preisgrundlage stehen MEK, kalkulatorischer EK oder ein Verkaufspreis zur Wahl, der LEK nicht. Bestandsdifferenzen aus der Inventur werden mit dem MEK bewertet.
  • Fertigung. Der Einstand einer Fertigmeldung kann je nach Einstellung der MEK, der kalkulatorische EK, der LEK oder die Auftragskosten sein. Damit landet der Preis auch im Wert der Eigenfertigung.

Der MEK und der kalkulatorische EK beantworten dabei unterschiedliche Fragen. Der MEK sagt, was die Ware im Lager tatsächlich gekostet hat, als gleitender Durchschnitt über alle Zugänge. Das glättet Preisschwankungen und passt zu einem Handelsbestand, der laufend nachgekauft wird. Er hat aber zwei Schwächen: Er hinkt bei steigenden Einkaufspreisen hinterher, weil alte, günstige Bestände den Schnitt drücken, und er enthält nur, was auf der Einkaufsposition stand. Fracht, Zoll oder Verpackung als eigene Belegposition sind nicht drin.

Der kalkulatorische EK ist dagegen der Preis, mit dem Du rechnen willst. Wiederbeschaffungspreis statt historischem Einstand, Bezugsnebenkosten eingerechnet, Abwertung für Ladenhüter, oder einfach ein stabiler Wert, den nicht jeder Wareneingang verschiebt. Deshalb stellen viele Betriebe die Roherlösermittlung auf den KEK und lassen ihn für Standardartikel automatisch aus dem MEK übernehmen. Nur die Artikel, bei denen der Durchschnitt nicht taugt, werden von Hand gepflegt.

Für die Bilanz gilt der gleitende Durchschnitt als gängiges Vereinfachungsverfahren bei der Bewertung des Vorratsvermögens. Ob der MEK aus der Sage in Deinem Fall so übernommen werden kann oder ob Abschläge für Gängigkeit und Niederstwert dazukommen, klärst Du mit Deinem Steuerberater. Die Warenwirtschaft liefert den Ausgangswert, nicht die Bilanzposition.

Die Formel

Der MEK ist ein gleitender Durchschnitt, gewichtet nach Menge. Bei jedem Zugang wird der Wert des vorhandenen Bestands mit dem Wert des Zugangs zusammengerechnet und durch die neue Gesamtmenge geteilt. Bestand und MEK mit dem Index „alt" sind die Werte vor dem Zugang:

MEKneu=Bestandalt×MEKalt+Zugangsmenge×EinstandspreisBestandalt+Zugangsmenge

Ein Beispiel. Im Lager liegen 40 Stück eines Artikels mit einem MEK von 12,50 Euro. Ein Wareneingang bringt 10 Stück zu 15,00 Euro netto.

SchrittRechnungErgebnis
Wert des Bestands40 × 12,50500,00
Wert des Zugangs10 × 15,00150,00
Gesamtwert500,00 + 150,00650,00
Neuer MEK650,00 / 5013,00

Der Einstandspreis, der in die Formel eingeht, ist der Nettopreis der Position. Positionsrabatt und Belegrabatt sind bereits abgezogen, Fremdwährungen werden in Eigenwährung umgerechnet. Der MEK wird mit vier Nachkommastellen geführt, deshalb steht im Artikelstamm oft ein Wert wie 5,4762 und nicht 5,48.

Ein paar Regeln rund um die Formel, die im Alltag regelmäßig für Verwirrung sorgen:

  • Verkäufe ändern den MEK nicht direkt. Ein Lieferschein reduziert den Bestand, der Durchschnittspreis bleibt. Er geht aber beim nächsten Zugang als kleinerer „alter Bestand" in die Formel ein.
  • Bei Bestand null bleibt der alte MEK stehen. Der nächste Zugang bestimmt den MEK dann allein, weil der Bestandsanteil in der Formel null ist. Das ist gleichzeitig der Hebel für die Korrektur weiter unten.
  • Bei negativem Bestand setzt die Sage den LEK an. Ein negativer Bestand darf nicht in den Durchschnitt eingerechnet werden. Solange der Bestand unter null liegt, gilt der letzte Einkaufspreis, erst ab einem Bestand von null oder mehr greift die Formel wieder.
  • Gutschriften und Stornorechnungen im Einkauf verändern den MEK nicht. Eine Retoure mindert die Zugangsmenge des Wareneingangs, auf den sie sich bezieht, der Stückpreis dieser Bewegung bleibt aber derselbe. Wer Ware zurückschickt, bekommt keinen korrigierten Durchschnitt.
  • Der Rechnungseingang kann nachkorrigieren. Weicht der Preis in der Eingangsrechnung vom Wareneingang ab, passt die Sage den MEK an, sofern die Mandanteneinstellung das vorsieht. Teilrechnungen wirken anteilig nach der berechneten Menge.

Wann die Sage rechnet

Die MEK-Berechnung ist teurer, als sie aussieht. Für jede Position wird nicht nur der aktuelle MEK neu bestimmt, sondern auch die Historie fortgeschrieben, die für die historische Lagerbewertung gebraucht wird. Bei Belegen mit vielen Positionen dauert das Speichern dadurch spürbar länger. Sage bietet deshalb vier Varianten an, die Du in den Mandanteneinstellungen im Register Lagerwirtschaft im Feld MEK-Berechnung auswählst:

EinstellungVerhalten
Sofort mit Berücksichtigung der REDer MEK wird beim Speichern des Wareneingangs berechnet. Weicht der Preis im Rechnungseingang ab, wird zum Positionslieferdatum der Rechnung nachkorrigiert. Die vollständigste Variante.
Sofort ohne Berücksichtigung der RENur Wareneingänge aktualisieren den MEK, Rechnungseingänge nicht. Sage empfiehlt das für Betriebe, die Einkaufsvorgänge mit dem Wareneingang abschließen.
ZeitversetztBeim Speichern passiert nichts. Der MEK wird erst neu berechnet, wenn jemand unter Abschluss den Menüpunkt MEK-Aktualisierung aufruft. Bis dahin rechnen Verkaufsbelege mit dem alten Wert.
Zeitversetzt mit Aktualisierung nach WENach einem Wareneingang wird der MEK vereinfacht neu gerechnet, ohne Historie. Liefertermine, Belegänderungen, gelöschte Belege, Retouren und Buchungen aus dem Lagermodul fließen erst bei der manuellen MEK-Aktualisierung ein.

Die beiden zeitversetzten Varianten merken sich die betroffenen Artikel in der Tabelle KHKArtikelMEKAktualisierung vor. Die MEK-Aktualisierung arbeitet diese Liste ab. Wenn bei Dir also Roherlöse auf Wochen alten Einkaufspreisen basieren, lohnt sich ein Blick auf diese Einstellung, bevor Du im Artikelstamm nach Fehlern suchst. Häufig ist der MEK gar nicht falsch, sondern nur noch nicht berechnet.

Mandanteneinstellungen der Sage 100, Register Lagerwirtschaft, mit aufgeklapptem Feld MEK-Berechnung und den vier Auswahlmöglichkeiten
Register Lagerwirtschaft: Die vier Varianten stehen in einem einzigen Feld. Diese Einstellung entscheidet, wie aktuell Deine Roherlöse sind

Der Liefertermin bestimmt die Reihenfolge

Entscheidend für die Berechnung ist nicht, in welcher Reihenfolge die Belege erfasst wurden, sondern der Liefertermin der einzelnen Position. Die Sage sortiert alle lagerrelevanten Bewegungen eines Artikels nach diesem Datum und rechnet die Formel entlang dieser Kette. Das führt zu Ergebnissen, die auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar sind. Ein Beispiel mit vier Belegen, erfasst in der Reihenfolge a bis d:

BelegLieferterminBewegungMEK danach
a) Wareneingang01.03.10 Stück zu 8,008,0000
b) Lieferschein05.03.4 Stück Abgang8,0000
c) Wareneingang03.03.20 Stück zu 9,509,0000
d) Wareneingang10.03.10 Stück zu 8,008,7222

Bei Beleg c rechnet die Sage mit einem Bestand von 10 Stück, obwohl der Lieferschein schon erfasst ist. Sein Liefertermin liegt nach dem des Wareneingangs, also zählt er an dieser Stelle noch nicht: (10 × 8,00 + 20 × 9,50) / 30 = 9,00. Bei Beleg d ist der Lieferschein dann durch, der alte Bestand beträgt 26 Stück: (26 × 9,00 + 10 × 8,00) / 36 = 8,7222.

Aus dieser Logik ergeben sich zwei Folgen. Erstens: Wird ein Liefertermin, eine Menge oder ein Preis in einem bereits gespeicherten Beleg geändert, baut die Sage den MEK ab diesem Datum neu auf. Dasselbe gilt für einen lagerrelevanten Verkaufsbeleg mit Liefertermin in der Vergangenheit, weil er den Bestand zu diesem Zeitpunkt verändert. Der Verlauf steht in der Tabelle KHKArtikelbewertungMEKHistorie, ein Eintrag je Artikel, Ausprägung und Datum. Zweitens: Bereits gespeicherte Verkaufsbelege behalten ihren Roherlös. Eine MEK-Aktualisierung schreibt keine neuen Werte in alte Belege. Erst bei der Belegübernahme, etwa vom Auftrag in den Lieferschein, kann der Preis neu aus dem Stamm gezogen werden, wenn die Mandanteneinstellung „Einkaufspreise" auf „aktuell aus dem Stamm" steht statt auf „aus dem Initialbeleg".

Warum das Überschreiben im Artikelstamm nicht hält

Das Feld mittlerer Einkaufspreis im Artikelstamm lässt sich editieren, und die Änderung wirkt auch. In der Preisfindung der Verkaufsposition erscheint der neue Wert als Einkaufspreis, der Roherlös wird damit gerechnet, und in Auswertungen wie der Warenbestandsliste oder der Inventurbewertung taucht er als Berechnungspreis auf. Für einen Moment sieht alles richtig aus.

Der Wert steht allerdings nur in der Anzeigespalte. Technisch liegt der MEK in KHKArtikelVarianten.MittlererEK, also je Ausprägung des Artikels, und dorthin schreibt die Berechnung ihr Ergebnis zurück. Als Rechengrundlage für den nächsten Zugang nimmt sie aber nicht dieses Feld, sondern den Verlauf aus der MEK-Historie und den Lagerplatzbuchungen. Dort ist jede Bewegung mit Bewegungsdatum, Einstandspreis und dem MEK zu diesem Zeitpunkt gespeichert. Der manuelle Wert kommt in dieser Kette nicht vor.

Beim nächsten Wareneingang, Rechnungseingang oder manuellen Lagerzugang passiert deshalb Folgendes: Die Formel nimmt den letzten berechneten MEK als „alten MEK", rechnet den Zugang dazu und überschreibt das Feld im Artikelstamm. Der falsche Ausgangswert ist wieder da, lediglich mit dem neuen Zugang verdünnt. Je größer der Bestand im Verhältnis zum Zugang, desto weniger ändert sich, und desto länger schleppt sich der Fehler durch. Sage beschreibt das in der Supportinformation knapp: Ein manuell eingetragener MEK wird durch die MEK-Berechnung überschrieben.

Eine Nebenwirkung, die gern übersehen wird: Steht der Artikel auf „MEK übernehmen", kopiert der Artikelstamm den von Hand geänderten MEK sofort in den kalkulatorischen EK. Bis zum nächsten Zugang rechnen dann beide Preise mit dem manuellen Wert, danach beide wieder mit dem berechneten.

Deep Dive Wie die drei Preise in der Datenbank entstehen und weiterwirken

Für alle, die den Ablauf bis in die Tabellen nachvollziehen wollen. Grundlage sind die Datenbank und die Metadaten einer Sage 100 in Version 9.0.11 mit dem Demomandanten 123 in OLDemoReweAbfD, gelesen am 27.09.2026. Alle drei Preise liegen in Eigenwährung mit vier Nachkommastellen.

Wo die Preise liegen

Die laufenden Werte stehen je Artikelvariante in KHKArtikelVarianten, Primärschlüssel Artikelnummer, Mandant und AuspraegungID. Ein Artikel mit Farb- oder Größenausprägungen hat also je Ausprägung einen eigenen MEK. Die Pflegeart des kalkulatorischen EK hängt dagegen am Artikel, nicht an der Variante.

PreisSpalteWer schreibt
Mittlerer EKKHKArtikelVarianten.MittlererEKDie MEK-Berechnung nach Einkaufs- und Verkaufsbelegen, Lagerbuchungen, Inventur und Fertigmeldung. Zusätzlich der Artikelstamm bei manueller Änderung.
Letzter EKKHKArtikelVarianten.LetzterEK
dazu LetzterLieferant
Das Speichern eines Einkaufsbelegs, dessen Belegart geliefert oder berechnet mit Wirkung +1 ist. Die Fertigmeldung kann ihn aus der letzten Lagerzugangsbuchung neu setzen.
Kalkulatorischer EKKHKArtikelVarianten.KalkulatorischerEKArtikelstamm und Schnelländerung bei manueller Pflege, sonst jeder neue LEK oder MEK, je nach KHKArtikel.PreispflegeEK.
PreispflegeEKText in der MaskeWirkung
0EK wird manuell gepflegtMEK- und LEK-Läufe lassen den kalkulatorischen EK stehen.
1LEK übernehmenJeder neu geschriebene LEK wird in den kalkulatorischen EK kopiert.
2MEK übernehmenJeder neu geschriebene MEK wird kopiert, auch ein von Hand geänderter.

Drei weitere Tabellen halten Verlauf und Warteschlange: KHKArtikelbewertungMEKHistorie mit einem MEK je Artikel, Ausprägung und Tag, KHKArtikelbewertungKEKHistorie in derselben Form für den kalkulatorischen EK, und KHKArtikelMEKAktualisierung als Merker für die zeitversetzte Nachrechnung. Auf jeder Lagerbuchung in KHKLagerplatzbuchungen stehen außerdem der Einstandspreis der Bewegung und der MEK zum Zeitpunkt der Buchung. Die Trigger auf der Variantentabelle rechnen nichts, die Logik sitzt komplett im Programm.

Was den MEK-Lauf anstößt

Ob ein Beleg die MEK-Berechnung auslöst, entscheidet das Kennzeichen MEK-Berechnung an der Belegart in KHKEKBelegarten beziehungsweise KHKVKBelegarten. Im Auslieferungszustand sind das:

BelegartMEK-LaufLagerwirkungSetzt den LEK
Wareneingang (ELL)ja+1ja, über Lieferung
Rechnungseingang (ERR)jakeineja, über Rechnung
Direkt- und Sofortrechnung (ERD, ERS)ja+1ja
Retoure (ELR)ja−1nein
Gutschrift, Stornorechnung, Bestellungneinkeinenein
Lieferschein, Rücklieferschein, Sofortbelege im Verkauf (VLL, VLR, VSD, VSL, VSS)ja−1 bzw. +1nein
Angebot, Auftrag, Rechnung im Verkaufneinkeinenein

Der Rechnungseingang stößt den Lauf an, obwohl er nicht lagert. Bei der Einstellung „Sofort mit Berücksichtigung der RE" wertet er den bereits vereinnahmten Mengenanteil auf den Rechnungspreis um. Verkaufsrechnungen rechnen zwar einen Roherlös, der MEK-Lauf hängt aber am Lieferschein oder am Sofortbeleg, weil erst dort die Lagerbewegung stattfindet.

Der Stückpreis eines Zugangs

In die Formel geht nicht der Einzelpreis aus der Maske ein, sondern der interne Gesamtpreis der Position in Eigenwährung geteilt durch die Menge in Basismengeneinheit. Rabatte sind darin schon abgezogen, Zuschläge als eigene Belegposition nicht enthalten. Retouren mindern die Zugangsmenge, ein Rechnungseingang mit anderem Preis bewertet den berechneten Anteil neu:

MengeRest=MengeZugang−MengeRetoure−Mengeberechnet Wert des Zugangs=MengeRest×StückpreisWE+Mengeberechnet×StückpreisRE Stückpreis der Bewegung=Wert des ZugangsMengeRest+Mengeberechnet

Bei „Sofort ohne Berücksichtigung der RE" entfällt der zweite Summand, der Wareneingangspreis bleibt stehen.

Die taggenaue Neuberechnung

Bei den beiden Sofort-Einstellungen und im Abschluss-Lauf der MEK-Aktualisierung baut die Sage die Historie ab dem letzten Stützpunkt vor dem Bewegungsdatum neu auf. Der Ablauf:

  1. Der historische Bestand am Stützpunkt wird aus dem heutigen Bestand rückwärts gerechnet: Heutiger Bestand in Basismenge minus alle seitherigen Zugänge plus alle seitherigen Abgänge.
  2. Der Start-MEK kommt aus der Historie. Fehlt sie, aus dem MEK der ersten Lagerbuchung, und wenn auch die fehlt, aus dem Artikelstamm. Das ist der einzige Moment, in dem das Stammfeld als Eingabe dient.
  3. Gelesen werden lagerwirksame Einkaufszugänge mit echter Lagerbuchung, lagerwirksame Verkaufsabgänge und Verkaufszugänge, manuelle Lagerbuchungen und Inventurbuchungen sowie Abgänge interner Fertigungsaufträge.
  4. Alle Bewegungen laufen in Datums- und Buchungsreihenfolge durch. Bewegungen desselben Tages und derselben Richtung werden zu einer Historienzeile zusammengefasst.
Startwert Wert0=historischer Bestand×MEKalt
Zugang, Bestand danach kleiner oder gleich Zugangsmenge MEKneu=Stückpreis dieses Zugangs Wertneu=MEKneu×Bestanddanach
Zugang, Bestand danach größer als Zugangsmenge Wertneu=Wertalt+Einstand des Zugangs MEKneu=WertneuBestanddanach
Abgang Bestandneu=Bestandalt−Menge Wertneu=Wertalt−Menge×MEKalt MEKneu=MEKalt Der Stückpreis bleibt, nur Menge und Wert sinken.
Interne Bestandsmehrung ohne neuen Preis Wertneu=Wertalt+Menge×MEKalt

Die erste Zugangsregel erklärt, warum Bestand null oder negativ den alten Durchschnitt löscht: War vor dem Zugang nichts oder weniger als nichts da, gilt der Preis des Zugangs komplett. Jeder Tagespreis wird auf vier Stellen gerundet und in die MEK-Historie geschrieben. Der jüngste Historiensatz wird zum neuen Stammwert, und bei Pflegeart 2 gleichzeitig zum kalkulatorischen EK.

Ein reiner Verkaufsabgang ändert den Stückpreis nicht. Neu gerechnet wird nach einem Verkaufsbeleg nur, wenn hinter seinem Liefertermin noch ein Zugang liegt, denn dann verschiebt sich der Bestandssockel, in den sich dieser Zugang mischt. Bei zeitversetzter Einstellung wird der Artikel nur vorgemerkt.

Die vereinfachte Formel nach Wareneingang

Die Einstellung „Zeitversetzt mit Aktualisierung nach WE" rechnet ohne Historie, nur beim echten Wareneingang und mit dem aktuellen Bestand, in dem der gerade gespeicherte Beleg schon enthalten ist:

Bestandneu=Lagerbestand×Umrechnungsfaktor LME+Menge dieses Belegs Bestandalt=Bestandneu−Zugangsmenge MEKneu=Bestandalt×MEKalt+Gesamtpreis intern EWBestandneu

Ist die Zugangsmenge nicht positiv, der Gesamtpreis negativ, der Bestand vor dem Zugang negativ oder der neue Bestand nicht positiv, wird die Rechnung verworfen und der Stamm bleibt unverändert. Liefertermine, Belegänderungen und Retouren holt erst die MEK-Aktualisierung nach.

Wie der LEK entsteht

Beim Speichern eines passenden Einkaufsbelegs sucht die Sage je Artikelposition die jüngste Einkaufsposition mit positiver Basismenge, deren Belegart geliefert oder berechnet mit Wirkung +1 ist und deren Belegdatum größer oder gleich dem Datum des gerade gespeicherten Belegs ist. Sortiert wird nach Belegdatum und dann nach Beleg-ID absteigend. Der LEK ist der interne Gesamtpreis dieser Position geteilt durch ihre Basismenge, der Lieferant wandert nach LetzterLieferant. Ein nachträglich erfasster älterer Beleg überschreibt deshalb keinen jüngeren LEK, und Retouren fallen durch die Mengenbedingung heraus.

Was im Verkauf passiert

Beim Anlegen einer Verkaufsposition liest die Sage die Mandanteneigenschaft Roherlösberechnung (0 mittlerer EK, 1 kalkulatorischer EK, 2 letzter EK) und schreibt den passenden Stammpreis nach KHKVKBelegePositionen.MittlererEK. Der Spaltenname bleibt immer derselbe, auch wenn der kalkulatorische EK drinsteht. Das Verfahren steht daneben in Roherloesberechnung, eine manuelle Übersteuerung im Preisnachweis in MittlererEKManuell. Bei einer Handelsstückliste ist der Preis die Summe der Komponentenpreise mal Stücklistenmenge.

Der Roherlös selbst hängt vom Roherlösmodus der Verkaufsbelegart ab. Angebot, Auftrag, Lieferschein, Rechnung und die Sofortbelege rechnen Gesamtpreis intern minus gerundete Menge mal Positionspreis. Anzahlung, Proforma und Rahmenvertrag liefern null. Die Gutschrift setzt den Roherlös auf den Gesamtpreis. Die Mandanteneigenschaft Einkaufspreise entscheidet, ob bei der Belegübernahme der Preis aus dem ersten Beleg der Kette bleibt oder neu aus dem Stamm kommt. Neu gezogen wird nur, wenn die Position nicht manuell gekennzeichnet ist, der Beleg keine Stornorechnung ist und kein Projekt-EK auf der Position liegt.

Lagerbewertung, Inventur, Fertigung

Die Lagerbewertung rechnet Menge mal Preis mal Bewertungssatz durch 100, der Bewertungssatz kommt über KHKArtikel.Bewertungssatz aus KHKBewertungssaetze. Preisgrundlage ist wahlweise der MEK, der kalkulatorische EK oder ein Verkaufspreis aus einer Preisliste. Die Inventur kopiert beim Aufbau der Zählliste alle drei Preise nach KHKIVBelegePositionen, bewertet Differenzen mit dem MEK der Zählposition und ruft nach der Verbuchung die MEK-Berechnung mit Menge und Einstand der Differenzbuchung auf. Die Fertigmeldung hat eine eigene Preiswahl über drei Mandanteneigenschaften: Ob die Auftragskosten als Einstand gelten, und falls nicht, ob MEK, kalkulatorischer EK oder LEK genommen wird. Anschließend setzt sie den LEK aus der letzten Lagerzugangsbuchung und stößt die MEK-Berechnung mit dem Einstand der Rückmeldung an.

Nachsehen im eigenen Mandanten

Die drei Mandanteneinstellungen stehen als Eigenschaften in KHKMandanten: 40004 ist die MEK-Berechnung (−1 zeitversetzt, 0 sofort mit RE, 1 zeitversetzt mit Aktualisierung nach WE, 2 sofort ohne RE), 40034 die Roherlösberechnung und 40046 die Übernahme der Einkaufspreise (0 Initialbeleg, 1 Stamm).

SELECT Eigenschaft, Wert
FROM   KHKMandanten
WHERE  Mandant = 123
  AND  Eigenschaft IN (40004, 40034, 40046)

SELECT PreispflegeEK, COUNT(*) AS Artikel
FROM   KHKArtikel
WHERE  Mandant = 123
GROUP  BY PreispflegeEK

SELECT TOP 20 Datum, MittlererEK
FROM   KHKArtikelbewertungMEKHistorie
WHERE  Mandant = 123 AND Artikelnummer = '00200050' AND AuspraegungID = 0
ORDER  BY Datum DESC

Im Demomandanten steht die MEK-Berechnung auf sofort mit RE und die Roherlösberechnung auf dem kalkulatorischen EK. Von 151 Artikeln werden 122 manuell gepflegt, 6 übernehmen den LEK und 23 den MEK. Von 19 311 Verkaufspositionen tragen 19 267 das Verfahren kalkulatorischer EK. Ein Beispiel, das die Zusammenhänge zeigt: Die Stehleuchte 00200050 steht auf „MEK übernehmen". Ihr MEK ist 10,3767, der kalkulatorische EK ebenfalls, der LEK dagegen 133,0000, weil er der Stückpreis eines einzelnen späteren Einkaufsbelegs ist und den gewichteten Lagerwert nicht ersetzt. Die MEK-Historie bestätigt den Stammwert mit dem jüngsten Satz vom 25.01.2021, davor stand am 04.09.2018 ein Wert von 9,5804. Das Antennenkabel 00250012 steht dagegen auf manueller Pflege: MEK 0,0263, LEK 0,0291, kalkulatorischer EK 0,0301. Hier hält der KEK einen eigenen Wert, den weder Beleg noch Durchschnitt überschrieben haben.

Grenzen: Die Abläufe wurden an Datenbank und Metadaten der Version 9.0.11 nachvollzogen, die Zahlen stammen aus dem Demomandanten. Ein einzelner Wareneingang wurde dafür nicht in der Oberfläche neu gebucht. In anderen Versionen können Eigenschaftsnummern und Belegartenkennzeichen abweichen.

Den MEK dauerhaft korrigieren

Es gibt zwei saubere Wege, und welcher passt, hängt davon ab, wo der Fehler herkommt.

Weg 1: Den Beleg korrigieren, der den Fehler verursacht hat

Wenn ein einzelner Wareneingang mit falschem Preis oder falscher Menge schuld ist, korrigiere den Beleg selbst, sofern er noch änderbar ist. Weil die Sage den MEK entlang der Liefertermine neu aufbaut, sobald sich ein Beleg ändert, wird der Verlauf ab diesem Datum korrigiert, inklusive aller späteren Zugänge. Bei zeitversetzter Berechnung musst Du danach die MEK-Aktualisierung anstoßen. Das ist der Weg, der auch die historische Lagerbewertung richtig stellt.

Weg 2: Bestand auf null und neu einlagern

Wenn sich der Fehler nicht mehr auf einen Beleg zurückführen lässt oder mehrere Bewegungen betroffen sind, nutzt Du die Regel, dass bei Bestand null der nächste Zugang den MEK allein bestimmt:

  1. Bestand über alle Lagerorte ermitteln. Der MEK gilt je Artikel und Ausprägung, nicht je Lager. Solange in irgendeinem Lager noch Bestand liegt, geht dieser mit dem alten MEK in die Formel ein.
  2. Den gesamten Bestand auslagern. Über eine manuelle Lagerbuchung (Abgang) in jedem betroffenen Lager, bis der Gesamtbestand null ist.
  3. Dieselbe Menge wieder einlagern, mit Gesamtpreis. Der Lagerzugang verlangt einen Gesamtpreis, also Menge mal gewünschter Einstandspreis. Wer das Feld leer lässt, bekommt den bisherigen MEK vorgeschlagen, und die Korrektur verpufft. Für 6 Stück und einen Zielwert von 125,00 Euro trägst Du 750,00 Euro ein.
  4. Ergebnis prüfen. Die Formel liefert (0 × alter MEK + 750,00) / 6 = 125,0000. Bei zeitversetzter Einstellung erst nach der MEK-Aktualisierung.

Ein paar Dinge solltest Du vorher bedenken. Beide Buchungen erscheinen in Lagerjournal, Bestandshistorie und in der Inventurbewertung als Bewegungen, das gehört dokumentiert. Bei chargen- oder seriennummernpflichtigen Artikeln müssen die Nummern beim Aus- und Einlagern mitgeführt werden, sonst verlierst Du die Zuordnung. Wenn die Lagerbuchungen an die Finanzbuchhaltung übergeben werden, sprich das vorher mit der Buchhaltung ab. Und lege das Bewegungsdatum bewusst fest: Rückdatierte Buchungen bauen die Historie ab diesem Datum neu auf, Buchungen am Tag eines Abschlusses sorgen für Diskussionen.

Wenn Du den Einkaufspreis regelmäßig selbst bestimmen willst

Manche Betriebe wollen den Preis, mit dem der Roherlös gerechnet wird, bewusst steuern. Etwa weil Abwertungen eingerechnet werden sollen oder weil der Einstand über Bezugsnebenkosten anders aussieht als der Belegpreis. Dann ist der MEK das falsche Feld, und der Kampf gegen die Neuberechnung ist nicht zu gewinnen.

Sage empfiehlt für diesen Fall den kalkulatorischen Einkaufspreis. Im Register Kalkulation des Artikelstamms stellst Du je Artikel über „Preispflege kalk. EK" ein, ob der KEK manuell gepflegt, vom LEK oder vom MEK übernommen wird. Artikel mit automatischem Einstand laufen weiter über den Durchschnitt, Artikel mit bewusst gesetztem Preis behalten Deinen Wert. Anschließend stellst Du die Roherlösermittlung in den Mandanteneinstellungen auf den kalkulatorischen EK um. Auch der KEK wird in einer eigenen Historie mitgeführt, allerdings erst ab dem Zeitpunkt der Umstellung. Für ältere Bestände fehlt dann in der historischen Lagerbewertung ein KEK-Wert.

Was diese Umstellung nicht ändert: Auswertungen, Reports oder BI-Anbindungen, die direkt auf den MEK zugreifen, zeigen weiterhin den berechneten Durchschnitt. Wer dort den gesteuerten Preis sehen will, muss die Abfragen anpassen.

Kurzcheck, wenn der Roherlös nicht plausibel ist

  • Welcher Einkaufspreis ist in den Mandanteneinstellungen für den Roherlös hinterlegt, und passt das zum Artikel?
  • Steht die MEK-Berechnung auf zeitversetzt, und wann lief die MEK-Aktualisierung zuletzt?
  • Ist der Artikel lagerführend? Ohne Lagerführung gibt es keinen berechneten MEK.
  • War der Bestand zwischenzeitlich negativ? Dann galt in dieser Zeit der LEK.
  • Gibt es einen Wareneingang oder Lagerzugang mit auffälligem Preis oder Liefertermin?
  • Hat jemand den MEK im Artikelstamm von Hand geändert, und wurde er beim nächsten Zugang überschrieben?
  • Stammt der Preis auf der Position noch aus dem Auftrag von vor drei Monaten? Die Einstellung „Einkaufspreise" entscheidet, ob bei der Belegübernahme neu gelesen wird.

Fazit

Der mittlere Einkaufspreis ist ein Rechenergebnis, kein Stammdatum. Wer ihn im Artikelstamm überschreibt, ändert eine Anzeige, nicht die Grundlage. Dauerhaft korrigieren lässt er sich nur über die Bewegungen, die ihn erzeugen: Durch die Korrektur des verursachenden Belegs oder durch Auslagern und Wiedereinlagern mit dem richtigen Gesamtpreis. Und wer den Einkaufspreis regelmäßig selbst festlegen will, ist mit dem kalkulatorischen EK besser bedient als mit einem Feld, das die Sage bei jedem Wareneingang neu berechnet.

Wenn bei Dir Roherlöse oder Bestandsbewertungen nicht zusammenpassen, schauen wir uns gern gemeinsam an, wo der MEK herkommt. Meist steckt die Ursache in einem einzelnen Beleg oder in einer Mandanteneinstellung, die seit Jahren niemand mehr geprüft hat.

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